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Version vom 16. Juni 2014, 15:31 Uhr

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Text

Weltweit landen jedes Jahr rund 1,3 Milliarden Tonnen Lebensmittel auf dem Müll1. Das ist etwa das zehnfache Gewicht von allen Autobahnen Deutschlands dicht an dicht mit 40-t-Lkws vollgestopft. Der Dokumentarfilm „Taste the Waste“ aus dem Jahr 2011 zeigt eindrucksvoll, wie alleine in Deutschland jährlich 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll landen. Der Regisseur Valentin Thurn wollte noch mehr unternehmen, als nur auf die Problematik hinzuweisen und gründete mit Gleichgesinnten im Sommer 2012 den Foodsharing e.V. Dessen Ziel ist es, die Wertschätzung für Lebensmittel zu erhöhen, Menschen für das Thema zu sensibilisieren und im Internet unter www.foodsharing.de eine Plattform gegen die Verschwendung zu etablieren, auf der Privatpersonen, Händler, Vereine und Produzenten überschüssige Lebensmittel kostenlos anbieten können. Das Prinzip ist denkbar einfach: Registrierte NutzerInnen können digitale Essenskörbe erstellen und damit zu verschenkende Lebensmittel anbieten. Andere Foodsharing-Mitglieder können solche Essenskörbe auf einer Übersichtskarte für ihre Region sehen, bei Interesse anfragen und sich mit dem jeweiligen Anbieter zur Abholung der Lebensmittel verabreden. Um auch Menschen zu erreichen, die keinen Internetzugang haben und um die Verteilung von zu verschenkenden Lebensmitteln zu vereinfachen, gibt es immer mehr FairTeiler: öffentlich zugängliche Kühlschränke und Regale, in denen überschüssige Lebensmittel zur Verfügung gestellt und für den eigenen Bedarf entnommen werden können. Seit dem Start von Foodsharing.de im Dezember 2012 haben sich über 35.000 Menschen aus dem deutschsprachigen Raum registriert und bei Facebook hat die Bewegung fast 50.000 Fans².

Um nicht nur im privaten Bereich gegen Lebensmittelverschwendung aktiv zu werden, wurde außerdem die Initiative Lebensmittelretten.de ins Leben gerufen. Ein Netzwerk von Freiwilligen baut feste Kooperationen mit Supermärkten, Bäckereien, der Gastronomie und anderen Lebensmittelbetrieben auf. Hierbei werden alle nicht mehr verkaufbaren, aussortierten Lebensmittel von den sogenannten Foodsavern abgeholt. Die Foodsaver sortieren die Lebensmittel selbstständig nach Verwertbarkeit und verteilen die noch genießbaren Produkte weiter. Damit die Rechtssicherheit der Lebensmittelspenderbetriebe gewährleistet ist, unterschreiben alle Foodsaver eine Rechtsvereinbarung, mit der die Foodsaver die volle Verantwortung für die abgeholten Lebensmittel übernehmen.

Ein Großteil der geretteten Lebensmittel wird von den Foodsavern an Freunde, Nachbarn, Vereine, Tafeln, Suppenküchen und natürlich über das Foodsharing-Netzwerk verteilt. Lebensmittelretten.de sieht sich als Ergänzung und Unterstützung der über 900 Tafeln in Deutschland. Als flexible, lokal organisierte Initiative können Foodsaver auch Kleinstmengen, Produkte über Mindesthaltbarkeitsdatum, an Wochenenden/Feiertagen und spontan abholen. Von Betrieben, die mit einer Tafel oder einer ähnlichen Initiative zusammenarbeiten, werden nur Lebensmittel abgeholt, die von jenen aus rechtlichen oder logistischen Gründen nicht verwendet werden können. Es ist umso erfreulicher, wenn der charitative Gedanke der Tafeln mit dem Lebensmittelretten-Motto „verwenden statt verschwenden“ einhergeht.

Wir sind besonders stolz, dass alle Foodsaver, BotschafterInnen und sonstige Engagierte aus innerer Motivation und Überzeugung bei der Organisation, bei Rechts- und Hygienefragen, beim Programmieren, bei Übersetzungen und in vielen weiteren Bereichen unentgeltlich mithelfen und das Projekt wie auch dessen Internationalisierung damit erst möglich machen. Selbst der Webspace und die Domain www.lebensmittelretten.de werden kostenlos vom Öko-Webhoster Greensta, der seinen Strom von Greenpeace Energy bezieht, zur Verfügung gestellt. Die Plattformen Foodsharing.de und Lebensmittelretten.de bringen Gleichgesinnte zusammen, helfen Bedürftigen und schaffen soziale Kontakte. So wird Foodsharing in Zukunft vermehrt als Vermittler zwischen Lebesmittelbetrieben und Vereinen, Initiativen, Hausprojekten und anderen gemeinnützigen Einrichtungen auftreten und somit diejenigen, die überschüssige Waren haben, mit denen verbinden, die auf gespendete Lebensmittel angewiesen sind.

Mittlerweile sind fast 4000 engagierte Menschen in Deutschland, Österreich, Liechtenstein und der Schweiz akkreditierte LebensmittelretterInnen². Über 250 Foodsharing-BotschafterInnen² koordinieren die Foodsaver-Gruppen in den jeweiligen Regionen, Städten und Bezirken und versuchen, weitere Lebensmittelspenderbetriebe für eine Zusammenarbeit zu gewinnen. Mittlerweile sind es über 600 Betriebe, darunter führende Biohändler wie Alnatura und die Bio Company, die die Initiative Lebensmittelretten.de aktiv unterstützen. Gemeinsam wurden bereits 130 Tonnen Lebensmittel gerettet² (mit der Zeit vor dem Start der Seite sind es sogar geschätzte 500 Tonnen). 2014 werden Foodsharing.de und lebensmittelretten.de Open Source zur Verfügung gestellt, wodurch die Software der hier entwickelten Plattformen weltweit genutzt einfach angepasst werden kann.

Unser Ziel für das Jahr 2014 ist, das Foodsharing-Netzwerk in über einem Dutzend Ländern zu etablieren und im deutschsprachigen Raum mit mehr als 1000 Betrieben zusammenzuarbeiten, um jeden Monat mindestens 200 Tonnen Lebensmittel vor der Vernichtung zu retten. Außerdem sollen alle teilnehmenden Betriebe, die sich gegen die Lebensmittelverschwendung einsetzen, eine Zertifizierung für ihr Engagement bekommen.


1 Jenny Gustavsson et al. (2011): Global Food Losses and Food Waste. Food and Agriculture Organization (FAO), Rome. www.fao.org/fileadmin/user_upload/ags/publications/GFL_web.pdf 2 Stand: 05.05.2014, www.foodsharing.de, www.lebensmittelretten.de