Kontext und Selbstverständnis

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foodsharing-Grundlagen 7
Stand: 30.05.2017

  • 842 Millionen Menschen leiden täglich an Hunger. Das ist weltweit jeder achte Mensch. [1]
  • Rund 57.000 Menschen sterben jeden Tag an Unterernährung. [2]
  • In Deutschland sind 15,8% der Bevölkerung (ca. 13 Millionen) von Armut bedroht. [3]
  • Weltweit werden jedes Jahr 4 Milliarden Tonnen Lebensmitteln produziert. Davon werden über 1,3 Milliarden Tonnen verschwendet. [4]
  • In Industriestaaten bestehen ca. 40% der Nahrungsmittelverluste aus völlig genießbaren Lebensmitteln. [5]
  • Weltweit werden über 75% der landwirtschaftlich genutzten Fläche für die Nutztierhaltung verwendet; rund ein Drittel des weltweit kultivierten Landes wird für den Futtermittelanbau benutzt. [8]
  • Lebensmittelverschwendung bedeutet nicht nur, dass Lebensmittel in die Tonne wandern, anstatt gegessen zu werden. Sie bedeutet auch, dass über 90% der weltweiten Sojaernte sowie über 50% der weltweiten Getreideernte für Tierfutter genutzt werden. Dabei werden für ein Kilo Fleisch 3-17 Mal so viel Energie verbraucht (im Vergleich, wenn ein Mensch die Futtermittel direkt verzehren würde). Denn um ein Kilo Fleisch herzustellen, werden zwischen 3-12kg Lebensmittel verbraucht. [9]
  • Wir alle sind dafür verantwortlich, dass Lebensmittelhändler, Zwischenhändler, Produzenten und Gastronomen Millionen von Tonnen an Lebensmitteln jedes Jahr wegwerfen.
  • Nur gemeinsam können wir den Wahnsinn der Überflussgesellschaft stoppen, indem jeder seinen Teil dazu beiträgt und verantwortlich handelt.
  • Mehr als ein Fünftel der weltweiten Treibhausgase könnte vermieden werden, wenn die Lebensmittelverschwendung global um 80% reduziert wird.
  • Wir von foodsharing verschenken überschüssige Lebensmittel von Betrieben und Privatpersonen. Nahrung kann nicht in Geld bemessen werden, da Essen einen ideellen Wert hat.
  • foodsharing steht nicht in Konkurrenz zu den Tafeln und anderen gemeinnützigen Organisationen. Im Gegenteil: wir kooperieren mit den Tafeln, um gemeinsam noch effektiver und ganzheitlicher Lebensmittel vor der Vernichtung zu retten und sie den Menschen, welche die Lebensmittel wertschätzen, zur Verfügung zu stellen.
  • foodsharing will gemeinsam mit Zehntausenden ehrenamtlicher Foodsaver in ganz Deutschland eine neue Kultur der Achtung gegenüber Essen leben, um gemeinsam mit den kooperierenden Läden den Lebensmitteln die Wertschätzung zukommen zu lassen, die sie verdienen.
  • Durch eine flache, dezentrale und regionale Organisation ist es uns möglich, unser Ziel von 100% Zuverlässigkeit bei der Abholung in unseren kooperierenden Betrieben zu gewährleisten.
  • Alle Foodsaver sind sorgfältig ausgewählte, zuverlässige, pünktliche und durch die anerkannten Verhaltensregeln und die Rechtsvereinbarung akkreditierte Lebensmittelretter*innen, die im Besitz eines Foodsaver-Ausweises sind.
  • Neben dem besseren Gewissen, das alle Mitarbeitenden in den Betrieben bekommen,[10] wenn sie keine Lebensmittel mehr wegwerfen müssen, geht auch das Volumen der Restmüll- und Biotonnen um bis zu 70% zurück. Das spart viel Zeit und Geld, denn die Foodsaver kümmern sich nicht nur um die Abholung der Lebensmittelreste, sondern vor Ort auch um ein fachgerechtes Entsorgen von Plastik, Pappe, Verpackungen, Biomüll usw.
  • Alle Foodsaver müssen nach Bestehen des Foodsaver-Quiz' einen Haftungsausschluss akzeptieren, bevor sie Lebensmittel abholen können. Dieser Haftungsausschluss ist von zwei Anwaltskanzleien so ausgelegt worden, dass alle Lebensmittelspenderbetriebe von jeglicher Verantwortung, auch von Fahrlässigkeit, rechtlich befreit sind. Jeder Foodsaver übernimmt selbst die Verantwortung für die geretteten Lebensmittel und deren Weitergabe.
  • Allen Nutzer*innen der foodsharing-Plattform ist es im Rahmen von foodsharing untersagt, Lebensmittel zu verkaufen oder als Tauschmittel zu nutzen. Selbstverständlich darf jeder/jede die geretteten Waren selbst verzehren und auch weiter "fair-teilen".
  • Alle Foodsaver sind selbst verantwortlich für die von den Betrieben geschenkten Lebensmittel und geben nach bestem Wissen und Gewissen nur die Lebensmittel weiter, die auch wirklich noch genießbar sind.
  • Etwa 42.000 Foodsaver retten bereits regelmäßig bei Bioläden, Bäckereien, Getränkehändlern, Restaurants, Kantinen, Markständen, Händlern, Supermärkten und vielen anderen Betrieben. Insgesamt wurde so (bis September 2018) über 17 Millionen Kilogramm Lebensmittel vor der Vernichtung bewahrt.
  • Insgesamt kooperieren wir mit über 4700 Betrieben (Stand September 2018), bei denen die Tafeln, Caritas und andere Vereine keine Lebensmittel abholen, nicht an allen Wochentagen vor Ort sein können oder nicht alle noch genießbaren Lebensmittel mitnehmen.
  • Die Foodsaver sind unabhängige und flexible Lebensmittelretter*innen, die sich in lokalen Gruppen organisieren, um mehr Bewusstsein für Lebensmittel bei den Menschen zu schaffen, um Lebensmittel abholen und sie weiter zu verschenken.
  • Um das bundesweite Netzwerk von foodsharing zu koordinieren, gibt es neben dem zentralen verein "foodsharing e.V." in Städten und Regionen, eine(n) oder mehrere foodsharing-Botschafter*innen. Die Botschafter*innen kennen jeweils alle Betriebsverantwortlichen persönlich und diese wiederum kennen alle Foodsaver für den jeweiligen Betrieb.
  • Es ist wichtig, dass Läden gemeinsam mit den Foodsavern, Tafeln und anderen gemeinnützigen Organisationen zusammenarbeiten, um auch den Kunden die Dringlichkeit und die Möglichkeiten zu kommunizieren, die es heute gibt, gegen die Lebensmittelverschwendung aktiv werden zu können.
  • Wir wollen die soziale und ökologische Verantwortung transparenter machen, die die Lebensmittelbetriebe - aber auch die Konsumenten - für die Verschwendung von Lebensmitteln tragen.
  • Für die Kommunikation mit den Kunden können sich die Lebensmittelbetriebe, die keine genießbaren Lebensmittel entsorgen, aber mit foodsharing kooperieren, einen Sticker anfordern mit der Aufschrift "Wir machen mit - foodsharing.de - bei uns kommen keine Lebensmittel in die Tonne" (entsprechend natürlich auch für foodsharing mit anderen Länder-Domain-Endungen). Dieser kann gut sichtbar im Eingangsbereich der Läden kleben. Außerdem arbeiten wir an einer Karte, die alle Betriebe anzeigt, die einen solchen Sticker haben und öffentlich genannt werden wollen. Dort wird auch jeweils der Betriebsverantwortliche aufgeführt, um Transparenz und Unabhängigkeit dieses Labels (Stickers) zu bewahren.
  • 9 von 10 Bundesbürgern interessieren sich für nachhaltige Produkte.
  • 8 von 10 Konsumenten sind der Meinung, dass Großkonzerne aktiv in die Lösung von sozialen und Umweltproblemen involviert werden sollten. [7]
  • Das Ziel ist außerdem, medial für mehr Bewusstsein darüber zu sorgen, dass wir alle etwas gegen die Verschwendung von Lebensmitteln tun können. Wir können das tun, indem wir keine genießbaren Lebensmittel wegwerfen oder überschüssiges Essen auf der foodsharing-Plattform zur Abholung anbieten. Wir können Lebensmittel kaufen, auch wenn sie kurz vor dem MHD stehen oder wenn sie (bei Obst und Gemüse) nicht mehr so schön aussehen, aber trotzdem noch lecker sind. Darüber hinaus kann jeder darauf achten, nur noch Lebensmittelbetriebe aufzusuchen, die den foodsharing-Sticker haben und keine Lebensmittel mehr wegwerfen.
  • Der foodsharing e.V. ist unabhängig, unparteilich und allgemeinnützig. Über 20 unbezahlte hauptehrenamtliche Engagierte übernehmen Programmierung, Pressearbeit, Internationalisierung, Lebensmittelhygiene, Koordination der einzelnen Bundesländer, internationale Treffen, Rechts- und Übersetzungsangelegenheiten, Grafikdesign und alles andere, was organisiert werden muss. Daneben engagieren sich über 100 weitere sehr aktive Foodsaver in anderen Bereichen. Derzeit wird nur die Geschäftsführung mit einer Minijobstelle bezahlt.
  • Finanziert wurde foodsharing ursprünglich durch über 500 Unterstützer*innen, die im Sommer 2012 bei einer Crowdfunding-Kampagne über 11.500€ spendeten. Von Anfang an ist außerdem das Land NRW als Hauptsponsor ein starker ideeller, aber auch finanzieller Unterstützer des Projektes, außerdem einzelne Lebensmittelketten wie z.B. Bio Company.
  • Jeden Betrieb, der Lebensmittel produziert, mit ihnen handelt, verarbeitet oder verkauft, laden wir ein, Pionier im Kampf gegen die sinnlose Verschwendung zu werden und gemeinsam Geschichte zu schreiben, um entsprechend Gandhis Worten den Wandel zu leben, den wir hier auf Erden sehen wollen, damit die Lebensmittelverschwendung ein Ende hat.
  • Die Entwicklung und die Programmierarbeit von foodsharing wurden und werden auch in Zukunft weiter rein ehrenamtlich getätigt.
  • Ziel ist es, möglichst vielen Menschen diese Plattform zur Verfügung zu stellen, um die weltweite Lebensmittelverschwendung einzudämmen.
  • Die foodsharing-Plattform ist eine hauptsächlich von Raphael Wintrich ehrenamtlich programmierte Plattform, die 2015 als Open Source gegangen ist.
  • Die foodsharing-Plattform ist kostenlos und werbefrei und wird es immer bleiben.
  • Die Plattform foodsharing.de/.at/.ch wird kostenlos von Manitu Servern gehostet und somit zu 100 Prozent aus erneuerbaren Energien mit Strom versorgt.

Verweise

[1] Food and Agriculture Organization of the United Nations, 2013. Global hunger down, but millions still chronically hungry. [Online]
Available at: http://www.fao.org/news/story/en/item/198105/icode
[Accessed 30 01 2014].

[2] Ziegler, J., 2013. Der Hunger ist von Menschen gemacht. [Online]
Available at: https://publik.verdi.de/2013/ausgabe-03/spezial/finanzen/seiten-20-21/A0
[Accessed 07 09 2013].

[3] Bundeszentrale für politische Bildung, 2014. Die soziale Situation in Deutschland. [Online]
Available at: http://www.bpb.de/nachschlagen/zahlen-und-fakten/soziale-situation-in-deutschland/61785/armutsgefaehrdung
[Accessed 07 09 2013].

[4] TAZ.de, 2013. „Ökonomischer und ethischer Unsinn“. [Online]
Available at: http://www.taz.de/!109594/
[Accessed 09 07 2013].

[5] n.tv, 2011. Verschwendung ist schockierend. [Online]
Available at: http://www.n-tv.de/wissen/Verschwendung-ist-schockierend-article4210226.html
[Accessed 09 07 2013].

[7] statista, 2011. Wie stehen Sie zu folgenden Aussagen zum Thema Nachhaltigkeit beim Konsum? [Online]
Available at: http://de.statista.com/statistik/daten/studie/208141/umfrage/einstellung-der-konsumenten-zum-thema-nachhaltigkeit/

[8] FAO, 2006
Available at: http://www.fao.org/docrep/010/a0701e/a0701e00.htm, S. 272
[Accessed 01 01 2015]

[9] VEBU, 2014, Available at: https://www.vebu.de/themen/umwelt/probleme-der-viehwirtschaft/94-wieviel-fleisch-ertraegt-die-welt?start=2
[Accessed 01 01 2015]

[10] Bio Company (Berlin) Kundenmagazin, 2013-07. Tonnen sind kein Platz für Lebensmittel
Available here