Artikel über Foodsharing - Schrot und Korn

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Artikel über Foodsharing.de / Lebensmittelretten.de im “Schrot&Korn”, Ausgabe Februar 2014 Seite 23 und Seite 35

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Erfolg für EssensretterInnen

Im ersten Jahr ihres Bestehens konnten über die Internet-Plattform www.foodsharing.de 25 Tonnen Lebensmittel „gerettet“, also an Interessierte abgegeben werden. Andernfalls wären sie in die Abfalltonne gewandert. Die Nutzung der Webseite ist kostenlos und denkbar einfach: Nahrungsmittel können entweder nach Postleitzahlenbereich oder im Kilometer-Umkreis gesucht beziehungsweise angeboten werden. Dabei fließt kein Geld - es geht einfach darum, überschüssige Lebensmittel mit anderen Menschen zu teilen und ihnen damit die Wertschätzung zu verschaffen, die sie verdient haben. Mittlerweile haben sich 30 000 EssensretterInnen auf der Webseite registriert, 1 800 „Foodsaver“ holen regelmäßig übrig gebliebene Lebensmittel von Supermärkten, Bauern und Restaurants ab und verteilen sie weiter.

Initiator der Webseite ist Valentin Thurn, der mit seinem Film „Taste the Waste“ 2011 erstmals auf das riesige Ausmaß der Lebensmittelverschwendung aufmerksam machte. sk www.foodsharing.de

Was man mit Teilen alles erreichen kann, zeigt das Engagement von Raphael Fellmer. Er hat vor einem Jahr die Webseite foodsharing gegründet, weil er Lebensmittelverschwendung verabscheut. Also: Die 10 Kilo Apfelquitten aus dem Garten, die man nicht verarbeiten kann, die fünf Päckchen laktosefreie Milch kurz vorm Ablaufdatum oder was sonst weg muss, aber eigentlich nicht auf den Müll gehört, wird hier angeboten und kann abgeholt werden. Es fing damit an, dass Raphael nachts Lebensmittel aus den Abfalltonnen der Bio-Läden gerettet und mit Nachbarn geteilt hat - heute teilen 3o ooo Nutzer ihre Lebensmittel, auch in Österreich und in der Schweiz läuft die Plattform.

40 000 Facebookfans finden das gut und ein europaweiter Ausbau des Netzwerks ist geplant. Nebenbei rettet er noch immer Lebensmittel vor der Tonne, doch auch das ist mittlerweile gut organisiert.

Über die Website Lebensmittelretten.de hat er 1 500 Gleichgesinnte vernetzt, die jetzt in über 6oo Bio-Märkten, Reformhäusern, Cafés oder Bäckereien abholen, was sonst im Abfall landen würde und es an Bedürftige weitergeben.

Teilen ist Raphael Fellmers Lebensprinzip, er gehört zu den kompromisslosesten Sharing-Vertretern. Das Engagement des 30-jährigen ist immer unentgeltlich, denn er lebt zusammen mit Frau und Kind seit einigen Jahren im Geld- und Konsumstreik. Der umtriebige Mann hat schon lange kein Konto mehr, er ist „geldlos glücklich". Warum? „Ich konnte nicht so weitermachen. Fair-Trade und Bio sind ja super, aber solange in Deutschland noch 2o Millionen Tonnen Lebensmittel weggeschmissen werden, kann ich nicht einfach neue kaufen.“ Nach dem Studium in Den Haag hat er mit Freunden ein Experiment gewagt: per Anhalter von Holland nach Mexiko - geldlos! Und es hat funktioniert. Gerade hat er ein Buch darüber geschrieben (Glücklich ohne Geld!) und mit dem Verlag ausgehandelt, dass von der Gesamtauflage 2ooo Stück kostenlos verteilt werden, und der Gewinn in ökologische Projekte des Verlags investiert werden soll. Honorar will er nicht. Nach der Reise hat er beschlossen, weiter geldfrei zu leben, weil „wir alle an den Problemen der Welt beteiligt sind.“ Außerdem will er zeigen, wie Gegensteuern geht: „Auf bestehende Ressourcen zurückgreifen, sich mehr regional, pflanzlich, saisonal, bio und fair zu versorgen. Und bei jedem Konsum schauen: Kann ich das vielleicht leihen oder gebraucht bekommen? Oder reicht mir, was ich habe? Also ganz nach Gandhi: Der Wandel fängt bei einem selber an."